Erste Rieser Genossenschaft entstand 1874 in Nördlingen

RVB Ries hat viele kleine Keimzellen

Die Raiffeisen-Volksbank Ries fußt auf vielen kleinen Rieser Dorf-Genossenschaften. Diese wurden großteils in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet. Die erste Genossenschaft entstand in Nördlingen.

Eine Bank zu gründen - diese Idee stammte von Ernst Rohmer (1818 bis 1897). Er war ab 1852 Geschäftsleiter der C.H.Beck'schen Buchhandlung in Nördlingen, ein aktiver, politisch und sozial engagierter Mann. Als Buchhändler, Journalist und Verleger hatte er wahrscheinlich schon früh von den Aktivitäten der Herren Schulze-Delitzsch und Raiffeisen gehört und gelesen. Und als Herausgeber des Nördlinger Anzeigenblatts hatte Ernst Rohmer einigen Einfluss, platzierte engagierte Berichte und veröffentlichte kritische Kommentare zu wirtschaftlichen und politischen Themen. Ein richtiger "Macher" aus Nördlingen!

Am 4. März 1874 wurde unter seiner Federführung die Gewerbebank Nördlingen im Sixen-Saal gegründet. Im Protokoll der Sitzung heißt es: "Die gegenseitige Haftpflicht der Mitglieder mit dem ganzen Vermögen ist es, welche die Sicherheit des Vereins begründet." Jedes Mitglied hatte ein hohes Interesse daran, dass es der Genossenschaft gut geht, denn jeder haftete mit seinem Vermögen. Erstmals im Ries wurden die Grundprinzipien von Raiffeisen - Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung - umgesetzt.

Die Gewerbebank Nördlingen war die Initialzündung: Ende des 19. Jahrhunderts entstanden im Ries viele eigenständige Genossenschaften. Zu den ältesten zählen die Genossenschaften von Alerheim (1883), Löpsingen (1884), Hohenaltheim, Nähermemmingen und Bühl (alle 1885). Oft waren es weitsichtige Pfarrer, die die Gründungen anregten. Sie kannten die Not der Landbevölkerung genau. Und oft übernahmen die Geistlichen Verantwortung als Vorstände und Aufsichtsräte. -zub-

 

Wie es weiter ging

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts schlossen sich kleine Genossenschaften zusammen

 

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spürten auch die Dorf-Raiffeisenkassen die Auswirkungen der beiden Weltkriege und der Inflation sehr deutlich. Das Vereinsleben lag oft viele Jahre brach. In allen Fällen jedoch organisierten sich die Genossenschaftsmitglieder nach schwierigen Phasen wieder neu und waren oft die Aktivposten in der Dorfgemeinschaft. Gemeinsam wurden landwirtschaftliche Geräte wie Kleereiber oder Saatgut-Reinigungsanlagen angeschafft. Neue Lagerhäuser für Getreide, Saatgut und Düngemittel entstanden, um das Warengeschäft besser zu organisieren. Oft wurde auch ein Büro für den Rechner eingerichtet, der dann zu festen Öffnungszeiten zu sprechen war. Zuvor waren alle Geschäfte meist beim Rechner zu Hause abgewickelt worden.

 

In den 60er-Jahren beschlossen viele Raiffeisenkassen, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen. So ging im Jahr 1966 beispielsweise die Raiffeisenkasse Bühl und die Raiffeisenkasse Wörnitzostheim mit der Raiffeisenkasse Alerheim zusammen. Kleinsorheim schloss sich 1965 mit Möttingen zusammen, 1968 Pfäfflingen und Löpsingen. Stärkere und handlungsfähigere Einheiten entstanden.

Rechtlich musste mit Einführung des Vieraugenprinzips ein hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt sein. Diese Vorgabe veranlasste wiederum viele kleine Kassen, sich zusammenzuschließen und einen hauptamtlichen Vorstand zu bestellen.

Die heutige Raiffeisen-Volksbank Ries entstand aus den großen Zusammenschlüssen der Raiffeisenbank Nördlingen mit der Volksbank Nördlingen 1990. 1998 kam die Raiffeisenbank Oettingen dazu, 2002 die Raiffeisenbank Möttingen und 2003 die Raiffeisenbank Oberes Kesseltal. Die RVB Ries ist heute der größte Finanzdienstleister in der Region mit einer Bilanzsumme von rund 905 Mio. EUR. Als verlässlicher Partner der heimischen Wirtschaft und der privaten Investoren reicht sie 2014 rund 130 Mio. Euro an Krediten aus, das sind pro Arbeitstag rund 511.000 Euro.

Was aus dem Warengeschäft wurde

Seit 1994 in der AGRO Donau-Ries gebündelt

 

Das Warengeschäft der ehemaligen Raiffeisenkassen ist seit 1994 in der AGRO Donau-Ries gebündelt. Am 1. Juli 1994 startete das damals größte warengenossenschaftliche Unternehmen als Tochterunternehmen der vier genossenschaftlichen Banken im Landkreis Donau-Ries und wurde seit der Gründung kontinuierlich erweitert, so dass das Unternehmen für die moderne Landwirtschaft ein Top-Dienstleister ist. Inzwischen reicht das Geschäftsgebiet der AGRO Donau-Ries von Marktoffingen bis Holzheim und von Blindheim bis Fessenheim.